Superklinik gegen Krebs: Berlins modernstes Krebszentrum entsteht in Köpenick

Von Mike Wilms

Moderne Technologie

Die Krebspatienten sollen im künftigen Onkozentrum in Köpenick mit modernster Technologie untersucht.

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Markus Wächter

Berlin - Köpenick

Für ihren Baustellen-Besuch haben Wolfgang Mohnike und Matthias Pross ihre Arztkittel gegen weiße Bauhelme getauscht. Die Medizinprofessoren wollen sehen, wie weit die Arbeiten an dem Gebäude gediehen sind, das Berlins modernste Krebs-Klinik beherbergen soll. Die offizielle Grundsteinlegung an der Köpenicker Erwin-Bock-Straße haben sie für den 10. Oktober geplant. Wenn alles gut läuft, wird ihr Onkozentrum Berlin ab 2020 die neueste Spitzenmedizin auch Kassenpatienten zugänglich machen.

Der Blick der Ärzte schweift über Bagger, Bauarbeiter und ein entkerntes Haus, in dem zu DDR-Zeiten ein Kindergarten untergebracht war. „Wir investieren 20 Millionen Euro in dieses Gemeinschaftsvorhaben mit den DRK Kliniken Köpenick“, sagt Wolfgang Mohnike, der das private Diagnostisch Therapeutische Zentrum (DTZ) in Friedrichshain leitet. Sein Team ist bundesweit führend in der Krebsbehandlung, auch durch den Einsatz von Präzisionsgeräten, über die nur wenige Einrichtungen verfügen. „Diese Technologie holen wir nun nach Köpenick“, sagt Pross, Ärztlicher Leiter der DRK Kliniken.

Keine seelischen Zusatzbelastungen

Ein Beispiel für die Ausstattung des DTZ auf internationalem Spitzenniveau ist ein Teilchenbeschleuniger. Er wurde im Jahr 2014 als „erster ambulanter Zyklotron Deutschlands“ eingeweiht. Mit ihm können Nuklearmediziner radioaktiv markierte Zuckerlösungen selbst herstellen. Diese werden potenziellen Krebspatienten gespritzt, bevor sie im Positronen-Emissions-Tomographie-Gerät (PET) untersucht werden. Die radioaktiv markierte Zuckerlösung reichert sich in den Krebszellen an, bringt sie zum Leuchten und macht sie so am Bildschirm sichtbar. Sogar zwei Millimeter kleine Krebszellen können die Fachärzte lokalisieren – und damit viele Tumore sehr früh entdecken.

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So soll das neue, 20 Millionen Euro teure Berliner Onkozentrum in Köpenick aussehen.

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Diagnostisch Therapeutisches Zentrum

Das künftige Onkozentrum Berlin soll aber nicht nur medizintechnologisch führend sein, sondern auch praktische Grundprobleme lösen, mit denen viele Patienten konfrontiert sind. Nach der Krebsdiagnose fehlt ihnen zumeist der Überblick, welche Hilfsangebote es für sie gibt. Niedergelassene Fachärzte und Kliniken arbeiten selten eng zusammen, Kranke werden oft doppelt untersucht und doppelt diagnostiziert. „Unser Zentrum wird solche seelischen Zusatzbelastungen unnötig machen“, sagt Wolfgang Mohnike. Die neue Einrichtung könne durch die Kooperation mit den DRK Kliniken alle Leistungen aus einer Hand bieten – ambulant, stationär, interdisziplinär.

Komplettversorgung für Treptow-Köpenick

Einen Verbesserungsbedarf in der Patientenversorgung sieht Chefarzt Pross insbesondere auch im Bezirk Treptow-Köpenick. „Wir haben fast 260 000 Einwohner, so viele wie eine kleine Großstadt, müssen unsere Klinikpatienten aber zur Bestrahlung quer durch Berlin schicken“, sagt er. Betroffene würden regelmäßig im Krankentransportwagen zu Einrichtungen wie dem DTZ gefahren, um sie dort behandeln zu lassen. Dieser Aufwand sei eine Zumutung für die Kranken, aber auch in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht unsinnig. Der Bezirk brauche endlich eine eigenständige Komplettversorgung.

Bild vergrößern Die Ärzte Prof. Matthias Pross und Prof. Wolfgang Mohnike besuchen die Baustelle.

Die Ärzte Prof. Matthias Pross und Prof. Wolfgang Mohnike besuchen die Baustelle.

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Der Bau des Onkozentrums Berlin ist für die DRK Kliniken Köpenick mit weiteren Projekten verbunden. Dadurch, dass das private DTZ eine Summe von 20 Millionen Euro einbringt, werden an anderer Stelle finanzielle Kapazitäten frei. „Wir können nun eine neue Rettungsstelle und ein neues Parkhaus bauen“, sagt Pross. Zudem würden die Kliniken die Erweiterung des Bettenhauses und neue, technologisch hochgerüstete Operationssäle planen.

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Hier ist alles super-steril: Birgit Engfer fährt im DTZ in Friedrichshain den Rechner hoch.

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Markus Wächter

Etwas Klärungsbedarf gibt es derzeit noch mit dem Berliner Senat. „Wir sind in Gesprächen darüber, wie viele Betten das Onkozentrum anbieten darf und soll“, sagt Mohnike. Schon voll überzeugt ist Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD). Er wird bei der Grundsteinlegung am 10. Oktober ein Grußwort sprechen.