„Ich will das nicht!“: Tobende Kleinkinder – so überleben Eltern die Trotzphase

Von Lisa Harmann

Christina Tropper mit ihren Kindern

Autorin Christina Tropper mit ihren wütenden Zwillingen.

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Mama soll sich JETZT hinsetzen. Das Brot soll aber nicht diagonal durchgeschnitten werden. Der Käse schmeckt nicht nach Wurst. Es gibt unzählige Gründe, die Kinder in der Autonomiephase ausrasten lassen. Nicht umsonst wird diese Phase zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag auch die „terrible two“ genannt.

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Trias

Gründe für das Trotzen gibt es viele. Oft entsteht der Zorn aus einer Ohnmacht des Kindes, etwas tun zu wollen, das es noch nicht kann. Es gibt also eine Diskrepanz in der Entwicklung. Es ist aber auch die Phase, in der sich der eigene Wille entwickelt. Damit stoßen sie bei ihren Eltern erstmal an Grenzen. Da sie sich außerdem noch nicht gut genug ausdrücken können, bleibt ihnen für ihren Frust nur die körperliche Reaktion.

Christina Tropper und ihr Mann hatten mit ihren Zwillingen gleich zwei Trotzköpfe auf einmal – und haben nun in ihrem Buch „Die Trotzphase ist kein Ponyhof“ (Trias) wichtige Überlebenstipps für Eltern zusammengefasst.

Zähneputzen

Situation: Mama will dem Kind die Zähne putzen, aber die Lippen bleiben rigoros verschlossen. „If will nift Pfähne putfen.“ Das Zahnputzlied, das sonst immer hilft, ist plötzlich doof. „Hör auf zu singen!“

Was ist da los? Kinder in diesem Alter wollen selbst entscheiden, was wann in ihren Mund gelangt. Es braucht also Überzeugungsarbeit.

So gelingt der Kompromiss: Auch wenn das Kind noch keine Zähne hat: geben Sie ihm eine Zahnbürste zum Spielen. Es gewöhnt sich an den Gegenstand und die Situation. Nachdem Sie die Grundreinigung übernommen haben, darf das Kind selbst nochmal putzen, so fühlt es sich ernst genommen und selbstbestimmt.

Haben Sie ein Spielzeugkrokodil? Dann putzen Sie ihm auch die Zähne, um zu zeigen, wie das geht. Veranstalten Sie Wettbewerbe? Wer macht den meisten Schaum? Wer kann beim Putzen ein Lied summen?

Anziehen

Situation: Das Kind ist gerade aufgewacht und möchte dringend Im Prinzessinnen- oder Piraten-Kostüm zum Kindergarten. Und das barfuß und ohne Schuhe.

Was ist da los? Stellen Sie sich vor, Sie müssen in einem Jeanskleid zum Wiener Opernball. Geht ja gar nicht, oder? Jeder hat so seine Vorstellungen von Kleidung – gerade dann, wenn man in der Autonomiephase angekommen ist.

So gelingt der Kompromiss: Fragen Sie sich, was gesundheitlich verantwortlich ist. Solange die Kleidung einigermaßen der Witterung entspricht, spricht nichts gegen das Kostüm.

Aber barfuß im Herbst oder Winter? Nein. Ein Kind muss nicht jede Erfahrung selbst machen. Als Eltern wissen wir, dass das kalt ist und krank macht. Also behalten Sie einen klaren Standpunkt. Kostüm: ja. Barfuß: nein.

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Einkaufen

Situation: Zwischen Dosenmais und Pfandglasrückgabe geht aus heiterem Himmel ein Heulkonzert los – mit Krokodilstränen, so groß, dass die australische Feuerwehr damit Buschbrände löschen könnte.

Was ist da los? Gerade in Supermärkten sind kleine Kinder sehr vielen Reizen ausgesetzt, die sie im Trotzalter leicht überfordern. Ihr Trotzkopf möchte jetzt selbst einkaufen und Neues entdecken. Doch die Reizüberflutung und die vielen Regeln, die das Kind einhalten soll führen zum Klassiker: Dem Schreianfall im Supermarkt.

So gelingt der Kompromiss: Prinzipiell sollten Sie nie mit hungrigen oder müden Kindern einkaufen gehen. Lässt sich dies mal nicht vermeiden und es kommt zum Schreianfall, sollten Sie Ihr Kind zur Seite nehmen und an einem stillen Ort beruhigen.

Wer den Supermarkt nicht gleich verlassen kann, sollte sich eine ruhige Ecke suchen – und möglichst ruhig bleiben. Nicht zu viel auf das Kind einreden, sondern mit Gesten zeigen, dass Sie es mit all seinem Kummer akzeptieren. Je ruhiger die Eltern bleiben, desto schneller geht der Anfall in der Regel vorbei.

Wie sich die Trotzphase für einen Erwachsenen anfühlt? Dazu stellen die Autoren in ihrem Blog „Einer schreit immer“ eine Leseprobe zur Verfügung.